Wahlkampf 2026 hat begonnen
Bremervörde. Stelling war acht Jahre lang Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbands und ist aktuell Fraktionsvorsitzender der CDU-Stadtratsfraktion sowie Mitglied im Kreistag. In seinem letzten Bericht als Vorsitzender verkündete er seine Kandidatur - und wurde dafür mit frenetischem Applaus bedacht.
Bereits bei der Vorstellung der Ehrengäste deutete sich an, dass diese Sitzung besondere Dynamik entwickeln würde. Neben verdienten CDU-Mitgliedern, dem Landtagsabgeordneten Marco Mohrmann und Landrat Marco Prietz war auch Jochen Hake anwesend, der 2021 als Bürgermeisterkandidat für die Grünen antrat und nun als Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen/FDP im Stadtrat sitzt.
„Ich wollte früh anpacken“
„Ich mache nun länger als die Hälfte meines Lebens Politik“, sagte der 32-jährige Stelling. Er sei in einem behüteten Umfeld in dieser „schönen kleinen Stadt“ aufgewachsen, geprägt durch ehrenamtliches Engagement in Kirche, Schützenwesen und Vereinsarbeit. „Ich wollte früh anpacken.“
Seine politischen Förderer Marco Prietz und Frank Pingel hätten ihn früh in die Stadtpolitik gebracht. Weil er Bremervörde mitgestalten wollte, habe er ein Verwaltungsstudium begonnen und schnell Führungsverantwortung übernommen. Neben seinem Engagement in der CDU-Fraktion sei ihm die Parteiarbeit stets wichtig gewesen. „Parteilos kann jeder. In Parteien sind Menschen, die sich engagieren.“ Das koste Zeit und Nerven, doch wer sich einsetze, setze sich auch aus. Dennoch sei es die Mühe wert, um künftigen Generationen eine lebenswerte Stadt zu hinterlassen: „Jedenfalls treibt mich das an.“
Scharfe Kritik an der Verwaltung
Bereits vor einem Jahr habe er darauf hingewiesen, dass aus dem Rathaus keine Impulse kämen – und daran habe sich nichts geändert. „Ich vermisse politische Führung und eine Idee davon, wohin unser Bürgermeister Bremervörde entwickeln will.“ Die großen Entscheidungen dieser Wahlperiode seien ohne oder gegen den amtierenden Bürgermeister entstanden, „meistens in guter und konstruktiver Zusammenarbeit aller vier Stadtratsfraktionen. Wofür ich sehr dankbar bin.“
Zudem kritisierte er die Verwaltung: Ideen und Anträge der Parteien würden nicht als hilfreich, sondern als störende Aufgaben betrachtet. „Wir müssen uns stattdessen mit Schikanen auseinandersetzen.“ Dabei habe er gelernt, dass Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Politik anders funktionieren müsse: „Sich auf Augenhöhe begegnen und die besten Lösungen suchen.“
Eine hauptamtliche Verwaltung habe immer mehr Wissen und Ressourcen als ehrenamtliche Vertreter. Doch das Rezept für eine gute Zusammenarbeit sei einfach: „Politik und Verwaltung müssen an einem Strang ziehen.“
Ein Bürgermeister müsse Ziele formulieren, Ideen entwickeln, Mehrheiten finden und die Menschen mitnehmen. „Wir brauchen mehr als nur einen Verwaltungsfachmann, sonst werden wir nur fachmännisch verwaltet.“
Bürgermeister Hannebacher kontert
Bürgermeister Michael Hannebacher wies Stellings Kritik zurück. Er wisse nicht, welche „großen Entscheidungen“ gegen oder ohne ihn getroffen worden seien. „Die gesamte Verwaltung wurde in eine geänderte Organisationsstruktur gebracht, um effizientere Arbeitsabläufe zu ermöglichen“, so Hannebacher. Die Stadt sei mit „null“ Baugebieten gestartet, bald werde es zwei bebaubare Gebiete geben. Auch die Digitalisierung schreite voran, und an der positiven Außendarstellung werde gearbeitet. „Nur einige Beispiele, die in meiner Verantwortlichkeit auf den Weg gebracht wurden - und ich war nicht nur mittendrin, sondern sogar dabei.“
Auch Stellings Vorstellung eines Bürgermeisters als Ansprechpartner für alle stellte Hannebacher infrage. „Dass dieses ausgerechnet aus der Richtung der Mehrheitspartei kritisiert wird, hat mit Blick auf die Vergangenheit und die aktuelle Realität doch ein kleines Schmunzeln verursacht.“ Er nehme alle Ortschaften gleich ernst und sorge für deren Entwicklung. „Mit dem DGH und dem Feuerwehrhausneubau in Ostendorf sind Meilensteine geschaffen worden, und der nächste Neubau im Bereich der Feuerwehr ist bereits in Planung.“
„Ein neuer Weg ist nötig“
Stelling legt hingegen nah, der Bürgermeister habe die Zeit „verschlafen“. Deshalb sei es für die CDU an der Zeit, den Bürgerinnen und Bürgern Bremervördes ein Angebot zu machen - und er sei bereit, diese Verantwortung zu übernehmen. „Ich bin bereit, im nächsten Jahr als Bürgermeister der Stadt Bremervörde zu kandidieren.“
Er betonte den Ernst der Lage: Die finanzielle Situation der Stadt sei „katastrophal“ und lasse keine Versprechungen zu. „Die Aufgaben des nächsten Bürgermeisters werden hart.“
Stelling machte keinen Hehl daraus, dass er nichts anderes anbieten könne als harte Arbeit, schwierige Entscheidungen und seinen unermüdlichen Einsatz für die Stadt. „Ich kann nicht durch diese Stadt gehen, ohne zu sehen, wo wir besser werden können und müssen. Ich trete an aus Überzeugung und weil ich an das Potenzial dieser Stadt und ihrer Menschen glaube.“