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„Primetime“-Gottesdienst - „Primetime“, die Zeit nehm‘ ich mir

Bremervörde (eb). Der nächste „Primetime“-Abendgottesdienst findet am Donnerstag, 12. September, um 19.30 Uhr, mit dem Thema „muss ja!“ in der St. Liborius Kirche statt. Gastredner ist Michael Freitag-Parey.
Michael Freitag-Parey kommt als Gastredner in die St. Liborius Kirche zum „Primetime“-Gottesdienst.  Foto: eb

Michael Freitag-Parey kommt als Gastredner in die St. Liborius Kirche zum „Primetime“-Gottesdienst. Foto: eb

Wie wichtig ist dir Geschichte?
Sehr wichtig. Nicht nur die Geschichte, die in den Geschichtsbüchern abgedruckt ist. Auch die Geschichte dieses Tages. Deine Geschichte. Das, was erst wenige Stunden zuvor passiert ist, beschäftigt mich und verändert mein Verhalten. Geschichte ist wichtig, um Menschen zu verstehen, nachvollziehen zu können, warum sie was und wie machen. Sie ist wichtig, um mich selber besser zu verstehen. Wie oft werden wir tagtäglich gleich nach der Begrüßung gefragt, wie es uns geht? In den wenigsten Fällen ist diese Frage ernst gemeint. Sie ist eine Floskel und kaum jemand erwartet, dass das Gegenüber sie groß beantwortet, geschweige denn negativ. Was ist aber, wenn die Antwort lautet: „... danke, dass du nachfragst. Um ehrlich zu sein, mir geht es nicht gut.“ - Nun und auf der anderen Seite will man natürlich auch nicht auf jedes „Wie geht es dir?“ die eigene Geschichte der vergangenen Tage oder Wochen ausbreiten. Aber vielleicht würde die gefragte Person tatsächlich gerne mal „auspacken“ und erzählen wollen, wie es ihr geht. Und dann? Dann nimmt sie wahr, dass die Frage gar nicht wirklich ernst gemeint war, und antwortet selber mit einer Floskel: „Muss ja“. Ein „muss ja“, macht mich hellhörig.
Was würde wohl passieren, wenn wir uns richtig Zeit für uns und andere nehmen würden und nicht nur damit beschäftigt wären, unsere Story und unseren Status für andere aufzuhübschen? Was wäre, wenn wir ernsthaft Fragen stellten nach meiner, deiner, unserer Geschichte? Wenn wir Antworten aushielten. Wenn wir zuhörten? Was würde wohl passieren?
Was fasziniert dich an der Arbeit der Gedenkstätte Lager Sandbostel?
Neben vielen anderen Gästen, wie zum Beispiel Schulklassen, kommen Einzelgäste oder Familien in die Gedenkstätte. Sie bringen in den allermeisten Fällen den Wunsch mit, sich Klarheit zu verschaffen. Sie wollen wissen, wie zum Beispiel der Großvater oder Vater in Sandbostel während des 2. Weltkrieges gelebt hat. Überlebt hat. Oder aber gestorben ist. Sie haben Unterlagen dabei, Fotos, ein Tagebuch, den Kriegsgefangenenausweis. Das, was sie in Sandbostel herausfinden, ist oft genug nicht leicht zu verdauen. Geschichte schlägt Wunden. Deckt Wunden auf. Und wenn der Finger in die Wunde gelegt wird, bleibt das nicht ohne Schmerzen. Jedoch, das Wissen von Geschichte klärt auf, macht frei und lässt Wunden bestenfalls verheilen. Aus diesem Grund ist ein Gedenkort wie Sandbostel wichtig. Er erzählt, erinnert und stellt die Frage nach einem gerechten Frieden und wie jede und jeder Einzelne Geschichte schreiben kann, ohne dass es zulasten anderer geht. Mit den unterschiedlichen Gästen und Gästegruppen darüber ins Gespräch zu kommen, ist und bleibt spannend und ist eine Bereicherung.
Wie sieht dein Lieblingsgottesdienst aus?
Ich finde, Gottesdienste brauchen eine gute Mischung und dürfen dann auch ungemütlich sein. Vielleicht müssen sie das sogar. Sie müssen Fragen stellen, aufrütteln, uns Gottesdienstgäste aus der Komfort-Zone ziehen. Ich finde, Jesus ist kein gemütlicher Typ. Er ist streitbar. Er provoziert. Nimmt den Konflikt in Kauf. Er spricht nicht so unverbindlich, dass niemand etwas gegen ihn hat. Er fordert mich heraus. Seine Story und sein Status sind klar und transparent. Ich glaube, der hat gar keinen Bock auf permanenten Lobpreis, der würde viel lieber öfter mal Tacheles reden wollen, um uns damit stark oder stärker zu machen. Geschichte ist übrigens auch ein Lieblingsthema von ihm, weil er weiß, Geschichte ist der Schlüssel zu so vielem.
Der „Primetime“-Abendgottesdienst findet immer am 2. Donnerstag im Monat statt. Ab 19.30 Uhr stehen die Türen der St. Liborius Kirche in Bremervörde offen. Ab 20 Uhr spielt die St. Liborius Band „water+wine“ moderne Songs. Im Mittelpunkt des Abendgottesdienstes steht eine zeitgemäße Predigt zum Weiterdenken.


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