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Ergebnis der Telefonaktion - Fragen unserer Leser zum Thema „Bye bye Kippe!“

Landkreis. (jgir/eb). Wir hatten in unserer letzten Ausgabe zu einer Telefonaktion gegen das Rauchen unter dem Titel „Hallo Gesundheit - bye Kippe!“ aufgerufen. Die Aktion mit den erfahrenen Expertinnen für Rauch-Entwöhnung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Monica Stein und Tania Rolus, wurde zahlreich genutzt, um Fragen zu einem Thema zu stellen, von dem leider viele nicht so leicht wieder loskommen. Hier einige Antworten zu den Fragen unserer Leser/innen:
Foto: Fotolia / Archiv

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Ich habe meine Schulfreundin, die Raucherin ist, wiedergesehen und hatte den Eindruck, dass sie im Gesicht schneller gealtert ist als ich. Kann das mit dem Rauchen zusammenhängen?
Möglich ist das. Die giftigen Substanzen des Tabakrauchs sorgen dafür, dass Kollagen schneller abgebaut wird. Kollagen ist ein wichtiger Stabilisator und eine Voraussetzung für ein glattes Hautbild. Außerdem wird die Haut von Rauchenden mit weniger Sauerstoff und Feuchtigkeit versorgt. Daher neigen sie stärker zu vorzeitiger Faltenbildung. Bei Raucherinnen altert die Haut übrigens noch schneller als bei männlichen Rauchern. Nach dem Rauchstopp wird die Haut besser durchblutet und sieht nach ein paar Tagen frischer aus.
 
Mein Vater ist in Rente gegangen und hat aufgehört zu rauchen. Er ist aber derart schlecht gelaunt, dass es kaum auszuhalten ist. Was soll meine Mutter da tun?
Sollte die schlechte Laune lediglich auf den Rauchstopp zurückzuführen sein, kann sie gewiss sein, dass das vorbei geht. Eine Entwöhnung durchzuhalten, ist eine anstrengende Sache, in diesem Fall auch für Ihre Mutter. Sie sollte versuchen, seine Stimmung nicht übel zu nehmen und versuchen, schöne Momente für beide zu schaffen. Gut ist es, darüber zu reden und sich gemeinsam die Situation bewusst zu machen. Viele Paare vereinbaren auch, dass einer mal allein ins Kino oder spazieren geht, wenn es ihm zu viel wird.
 
Wir wollen zu dritt aufhören, um uns gegenseitig zu unterstützen. Aber wie soll das funktionieren, wenn wir alle mit Entzugserscheinungen zu tun haben?
Es ist nicht gesagt, dass jeder von Ihnen in gleicher Stärke mit dem Entzug zu tun haben wird. Jede Entwöhnung verläuft individuell. Einer leidet ziemlich, ein anderer hat gar keine Probleme. Überlegen Sie vorher, was Ihnen gut tut und womit Sie sich ablenken können.
 
Ich habe aus Langeweile wieder angefangen. Aber ich ärgere mich, dass ich nicht standhaft bleiben konnte. Was hilft mir, wenn ich es noch einmal versuche?
Überlegen Sie, aus welchen ganz persönlichen Gründen Sie aufhören möchten und formulieren Sie diese Gründe möglichst positiv, zum Beispiel „Ich möchte wieder freier atmen können“ oder „Ich werde Geld für etwas Schönes sparen“. Und dann sollten Sie dafür sorgen, dass dieses Gefühl der Langeweile möglichst selten auftritt. Suchen Sie sich interessante Beschäftigungen, intensivieren Sie vielleicht ein Hobby oder starten Sie einen Rauchfrei-Ausflug mit Freunden. Und seien Sie beim nächsten Rauchstopp aufmerksam. Es ist leider so, dass man nach nur einer Zigarette wieder rückfällig werden kann.
 
Nach einer Zigarette fühle ich mich voller Energie. Wie schaffe ich das als Nichtraucher?
Halten Sie Ihren Kreislauf auf Trab. Radfahren, Walken und Joggen helfen beim Stressabbau und beugen auch einer Gewichtszunahme vor. Bauen Sie Bewegung in den Tagesablauf ein. Steigen Sie eine Station früher aus, nehmen Sie die Treppe und nicht den Fahrstuhl, nutzen Sie die Mittagspause für einen flotten Spaziergang. Auch Wasseranwendungen helfen: Tauchen Sie die Unterarme in ein Waschbecken mit kaltem Wasser. Morgens können Sie Beine, Arme, Bauch und Brust mit kaltem Wasser abreiben, bis die Haut gerötet und die Durchblutung angeregt ist. Und trinken Sie viel Wasser, auch das regt den Kreislauf an.
 
Ich habe von anderen gehört, dass sie nach dem Aufhören großes Verlangen nach Schokolade hatten. Was macht man da?
Bei Lust auf fettes und süßes Essen sollte man den Gelüsten kontrolliert nachgeben, statt sie zu bekämpfen. Gönnen Sie sich hin und wieder ein Stück Schokolade. Setzen Sie sich entspannt hin. Genießen Sie den Duft der Schokolade. Dann lassen Sie das erste Stück ganz langsam im Mund zergehen. Konzentrieren Sie sich darauf, wie es zart auf der Zunge schmilzt. Erleben Sie diesen Augenblick mit allen Sinnen.
 
Ich habe gelesen, dass man während der Entwöhnung Obst- und Gemüsesticks essen soll. Aber ich brauche auch einmal ein Steak oder ein Schnitzel.
Da sollen Sie auch haben! Das klein geschnittene Obst und Gemüse ist lediglich für Heißhungerattacken oder als Ablenkung gedacht - nicht als Ersatz für Ihre normalen Mahlzeiten. Sollten Sie jedoch Probleme mit Ihrem Gewicht haben, versuchen Sie, weniger Kalorien zu sich zu nehmen und durch Bewegung mehr davon wieder abzubauen. Denn die Stoffwechselumstellung während des Rauchstopps kann in der ersten Zeit zu zwei bis vier Kilo Gewichtszunahme führen. Hintergrund ist, dass das Nikotin als Appetithemmer und Stoffwechselbeschleuniger entfällt.
 
Nikotinersatzpräparate enthalten doch auch Nikotin. Wie kommt man dann von der Abhängigkeit los?
Bei diesen Präparaten - Sprays, Kaugummis, Lutschtabletten, Pflaster - wird Nikotin über die Mund- oder Nasenschleimhaut oder über die Haut aufgenommen. So kann das Nikotin zwar in einer wirksamen Konzentration ins Blut gelangen - aber viel langsamer als beim Rauchen und ohne schädliche Stoffe wie Teer oder Kohlenmonoxid. Durch eine schrittweise Verminderung der Nikotin-Dosis „schleicht“ man die körperliche Abhängigkeit aus. Die Überwindung der psychischen Abhängigkeit ist hingegen ein längerer Prozess. Es muss eingeübt werden, die Situationen, die früher automatisch mit einer Zigarette verknüpft waren, ohne Zigarette zu bewältigen.
 
Mein Bekannter ist auf die nikotinfreie E-Zigarette umgestiegen. Ist das eine Alternative zur Zigarette?
Nein, denn die gesundheitliche Unbedenklichkeit von E-Zigaretten ist nicht erwiesen. Zum Beispiel kann Propylenglykol, einer der Hauptbestandteile in den meisten Liquids, bereits bei kurzfristigem Gebrauch Atemwegsreizungen auslösen. Nach jetzigem Forschungsstand sind E-Zigaretten im Vergleich zu Tabakzigaretten zwar weniger schädlich, was aber nicht heißt, dass sie harmlos sind. Über Langzeitfolgen für die Gesundheit liegen derzeit keine belastbaren Studien vor. Sie können also nicht ausgeschlossen werden.
 
Unsere jüngste Tochter will jetzt ein Kind, raucht aber noch. Sie sollte aber aufhören, oder?
Auf alle Fälle! Vielleicht sagen Sie ihr, dass ein Rauchstopp unendlich viel für sie und das Kind bringen würde - auch wenn es sich um Statistik handelt: Die Frühgeburtsrate sinkt um die Hälfte im Vergleich zu rauchenden Schwangeren. Das Risiko einer Totgeburt reduziert sich um ein Drittel. Die Lungen des Kindes können sich vollständig entwickeln, und es wird weniger anfällig für Infektionskrankheiten und Allergien. Das Asthma-Risiko geht zurück. Die Gefahr des plötzlichen Kindstods sinkt.


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