Eva Kairies

Herzen gegen Schmerzen - Kreative Kümmerer bei den Handwerkertagen in Ströhe

Hambergen (ek). Um Renate Lumkeits Esszimmertisch herum sitzen sieben Damen im angeregten Gespräch. Ihre Hände sind damit beschäftigt, fürsorglich Füllwatte in selbst genähte bunte Kissenhüllen zu stopfen. „175 Gramm!“, sagt Margret Kluge. „Mehr darf nicht hinein, denn das Kissen darf nicht drücken.“
Bärbel Samberg, Elisabeth Funck, Irene Götter, Renate Lumkeit, Waltraut Laue, Margret Kluge und Liane Hudalla könnten ohne die Zuarbeit der Kissenhüllennäherinnen Petra Aschenbrenner, Angelika Schlenker und Renate Keller kaum so viele Herzenkissen für Brust-OP-Patientinnen fertigbekommen.  Foto: ek

Bärbel Samberg, Elisabeth Funck, Irene Götter, Renate Lumkeit, Waltraut Laue, Margret Kluge und Liane Hudalla könnten ohne die Zuarbeit der Kissenhüllennäherinnen Petra Aschenbrenner, Angelika Schlenker und Renate Keller kaum so viele Herzenkissen für Brust-OP-Patientinnen fertigbekommen. Foto: ek

Margrit Kluge ist wie Renate Lumkeit und die anderen fünf Damen Mitglied in der Kreativgruppe der Kümmerer. Die Kümmerer sind die Menschen einer Initiative für Menschen in der Kirchengemeinde und Samtgemeinde Hambergen, die sich seit 2006 ehrenamtlich kümmern - überall, wo es eben nottut. Einmal im Monat treffen sich in der Regel die Kreativgruppenmitglieder der Kümmerer „im Textilraum der Gesamtschule Hambergen“, erläutert Bärbel Samberg. Sie freuen sich, dass sie diesen Raum kostenlos nutzen dürfen. „Immer dienstags von 14 Uhr bis 16.30 Uhr.“ Die kreativen Damen kochen Seife, bemalen Seidentücher, töpfern Dekoartikel, entwerfen Anlasskarten, filzen, binden Bücher und sie nähen eben. Unter anderem diese Kissen, die eine besondere Funktion haben: „Wir nähen Herzkissen für Brustkrebspatientinnen im Brustzentrum des St.-Josef-Stifts.“ Die Herzkissen werden nicht verkauft, sondern den Frauen von Schwester Mecklenborg gegeben. Sie werden nach der Operation unter der Achsel getragen, um einer eventuellen Schwellung entgegenzuwirken und den Wundschmerz zu lindern. „Außerdem“, so die kreativen Kümmerinnen, „können diese Kissen ein bisschen Trost in der schweren Zeit spenden - von Herzen und von Frau zu Frau.“ Ein kleiner Zettel am Kissen lässt die Frauen wissen, von wem diese Kissen kommen und die Rückmeldungen von ihnen freuen wiederum die Nähenden. „Ich habe in tiefster Verzweiflung Ihr Herzkissen gegen die Schmerzen und als Lichtblick erhalten“, hatte eine Frau aus Bremen geschrieben. „Es tat nicht nur meiner Seele gut, sondern half auch gegen die Schmerzen in der Achsel.“ Eine andere Dame schrieb, wie wunderbar es sei, dass es Menschen wie sie gebe.
Während der Handwerkertage auf der Museumsanlage in Ströhe Spreddig am 7. und 8. September wird die Kreativgruppe der Kümmerer zum vierten Mal teilnehmen. Die Herzen gegen Schmerzen können dort gegen eine Spende von fünf Euro erworben werden. „Dafür kaufen wir wieder Füllmaterial“, sagt Liane Hudalla. Um die 400 Herzkissen haben die kreativen Frauen schon ans Krankenhaus gegeben. „Aber der Bedarf ist sehr groß. Die Station würde sich über weitere Herzkissen freuen.“ 800 OPs werden dort im Jahr durchgeführt. Die Handwerkertage nutzen die Kümmerer auch gern als Werbung in eigener Sache, denn längst ist diese Kreativgruppe der Kümmerer auch geöffnet für „Nicht-Kümmerer“. Interessierte könnten sich jederzeit anschließen und ihre eigene Kreativität entdecken. „Frauen jeden Alters können bei uns Erfolg, Gemeinschaft und Freude erleben.“ Nach einer kurzen Anmeldung (04793 / 956937 oder per E-Mail an liane_hudalla@die-kuemmerer.info) sei jede Besucherin gern gesehen. Die Aufmerksamkeit, die die Kreativgruppe während der Handwerkertage erlangen möchte, soll aber nicht nur der Eigenwerbung dienen, sondern auch einen Gewinn generieren. „In erster Linie verfolgen wir ein soziales Ziel. Mit dem Erlös soll wieder direkt eine Person oder eine Familie aus der Samtgemeinde Hambergen, die sich in einer Notlage befindet, Unterstützung erhalten.“ Die letzten drei Teilnahmen an den Hamberger Handwerkertagen ermöglichte die finanzielle Unterstützung einer Familie in finanzieller Schieflage und einer alleinerziehenden zweifachen Mutter. Einer Schülerin konnte damit Nachhilfe für einen guten Schulabschluss finanziert werden. Also lohnt sich das Einkaufen bei den Kreativkümmerern in jeder Hinsicht. „Und wir werden auch in diesem Jahr wieder eine besondere Aktion haben“, deutete Liane Hudalla eine geplante Überraschung an.


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