Ralf G. Poppe

Rettung im Bachbett

Wie jedes Frühjahr hat der FSV Bremervörde kürzlich 10.000 junge Meerforellen in die Nebenflüsse der Oste entlassen.

Bremervörde. Der Fischersportverein Bremervörde gehört zur „Besatzgemeinschaft Obere Oste“, die sich dem Schutz und Erhalt der Meerforellenpopulation in der Region widmet. Durch Begradigung von Bachläufen, Sandeintrag sowie Schadstoffe wie Nitrate sind die natürlichen Lebensräume der Fische stark beeinträchtigt. Um diese Schäden auszugleichen, setzen die Angler regelmäßig gezüchtete Jungfische aus.

An der diesjährigen Aktion beteiligten sich Gewässerwart und Diplombiologe Rainer Küchel gemeinsam mit Niels Matthias, Hauke Witten, Stephan Timm, Heinrich Witten, den Kindern Jesse Suter und Max Matthias sowie Volker Stahmann.

Fangen mit Strom

Das Wiedereinbürgerungsprogramm begann im Frühjahr 1981 mit dem Kauf und der Aussetzung von 5.000 Brütlingen. Heute werden die Eier in der Anlage des Sportfischervereins Sittensen bebrütet. Um diese zu gewinnen, fangen Vereinsmitglieder im Herbst männliche und weibliche Elterntiere mithilfe der Elektrofischerei.

Dabei wird ein schwacher Strom ins Wasser geleitet, der das Nervensystem der Fische kurzzeitig beeinflusst. Die Tiere schwimmen zur Stromquelle oder erstarren, sodass sie leicht mit dem Kescher gefangen werden können. Diese Methode darf ausschließlich von geschultem Personal angewendet werden und erfordert eine behördliche Ausnahmegenehmigung.

Abstreifen und Befruchten

Die Eier werden durch leichtes Abstreifen aus dem Bauch der Weibchen gewonnen. Gleichzeitig wird die sogenannte Milch der Milchner durch sanfte Massage entnommen und direkt mit den Eiern vermischt. Die Befruchtung erfolgt innerhalb weniger Sekunden, um die Frische des Spermas zu gewährleisten.

Anschließend werden die befruchteten Eier im Bruthaus des SFV Sittensen unter kontrollierten Bedingungen ausgebrütet. Je nach Wassertemperatur variiert die Dauer des Schlupfvorgangs. Wichtig ist, dass beim Aussetzen genügend natürliche Nahrung im Gewässer vorhanden ist – denn die Meerforellen sind beim Schlüpfen nur etwa zwei Zentimeter groß.

Dank sorgfältiger Pflege erreichen die Aufzuchtraten im Bruthaus über 90 Prozent – ein Wert, der in der freien Natur kaum erzielt werden kann. Nach dem Schlupf werden die jungen Fische in geeignete Gewässer ausgesetzt, in der Hoffnung, dass ein Teil von ihnen nach drei bis vier Jahren zur Fortpflanzung zurückkehrt.

Zurück in die Freiheit

Die 10.000 Jungfische wurden diesmal in Bever, Poggemühlenbach und weitere geeignete Bäche entlassen. Trotz der sorgfältigen Aufzucht ist die Überlebensrate in der Natur durch Fressfeinde gering. Dennoch können mit etwas Glück 0,1 bis 1 Prozent der Fische zurückkehren, um in ihren Geburtsgewässern zu laichen.

Die Kosten für das Projekt werden von der Besatzgemeinschaft und dem SFV Sittensen getragen – getragen von viel ehrenamtlichem Einsatz.


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